(Vorerst) eine gute Nacht!

2. November 2018|

——Dieser Artikel wurde über einen Zeitraum von mehreren Monaten verfasst——

Hintergrundbericht zum Filmprojekt „Nie wieder Alpträume“ (2018/2019)

(02.11.18) Die Grundidee zu „Nie wieder Alpträume“ fand sich irgendwann kurz nach der Produktion unseres letzten Kurzfilms „Ein Witz“ und nannte sich zu dieser Zeit noch „Caipirinha“ und um weitere Anführungszeichen zu sparen, lasse ich andere temporäre Benennungen dieser meiner Bachelorarbeit aussen vor.

Jep, es ist Zeit dem Bachelorstudium Lebe Wohl zu sagen, was mich kurz noch einmal daran erinnert, dass meine Abschlussarbeit im FIlmbereich eigentlich ganz anders geplant war. Man mag mir vorwerfen, dass die vergangenen Filmprojekte allesamt oder fast allesamt einen kritischen, vielleicht dunklen oder gar bösen Unterton hatten. Der Versuch sich einer anderen Melodie anzunehmen und nach 10 oder 11 Semestern neuen Grund zu betreten wurde mir auch nach der dritten, mir sehr ans Herz gewachsenen Scriptfassung ausgeredet. Und nun? Stehe ich wieder hier, muss vulgär werden und Köpfe rollen lassen – ihr habt’s gewollt, here we go:

NIE WIEDER ALPTRÄUME

Das 14 Seiten umfassende Drehbuch behandelt grundsätzlich erstmal eine Rachegeschichte, die in zwei zeitlich versetzten Handlungssträngen erzählt wird. Das Thema Rache selbst reizt mich spätestens seit den allerletzten Hollywood-ausführungen überhaupt nicht mehr und umso mehr habe ich gekämpft das herauszuarbeiten, was mich an meiner Story am meisten interessiert – nämlich die Transformation meines Hauptcharakters „Jasmin“. Ich möchte zwei grundverschiedene Seiten der jungen Dame sehen und plausibel und spannend in 15min Laufzeit unterbringen. Sicher auch keine innovative Thematik, aber eine Herausforderung, die ich mir selbst stellen will. Nachdem die erste Fassung der Geschichte vor rund einem Jahr niedergeschrieben war, hat mich vorallem das Gespräch mit einem ehemaligen Polizeibeamten dazu ermutigt noch ein bisschen tiefer zu graben und Story-technisch zu komprimieren. Hierbei ließen sich auch die Nebencharaktere sehr schön weiter zeichnen.

Normalerweise würde ich jetzt hier erklären, wer Teil des Teams ist und welche Aufgaben erfüllt, das Übliche. Und auch wenn es mitlerweile deutlich schwieriger erscheint, die halb-in-der-Arbeitswelt-versunkenen Kommilitonen und Kommilitoninnen zu mobilisieren, gibt es an dieser Stelle natürlich keine Überraschungen. Der Hauptcast hingegen darf gerne preisgegeben werden und besteht aus den Schauspielern Rebecca Lara Müller, Jan Liem, Juliana Wagner und Fynn Zinapold.

Noch nicht am Drehen?

Genau – warum eigentlich nicht? Derzeit nähern wir uns dem Ende der Preproduktion und in nicht allzu ferner Zukunft werden die ersten Drehtermine angegangen. Hierbei gibt es drei Locations mit jeweils 2x 1/2 bzw. jeweils einem ganzen Drehtag – sportliche drei Drehtage also.

An dieser Stelle kaut Ihr sicher bereits eure FIngernägel bis aufs Blut ab – ich wäre nicht ich, wenn nicht…

Wie anfangs erwähnt, besteht mein Film im Prinzip aus zwei Handlungssträngen. Den einen Part werde ich auf konventionelle Art digital abdrehen, der andere Teil wird auf Super16 abgedreht und zudem gänzlich aus der Hand gefilmt. Es wird also möglicherweise shaky, dreckig und vorallem körperlich anstrengend – Ich kann’s kaum erwarten, wann geht’s los?


Ein kurzer Zwischenstand

(02.11.18) Die Preproduktion schwindet und hinterlässt so langsam ihre hässlichen Spuren. Vielleicht bin ich auch nur grippal angeschlagen oder beides. Fest steht, die letzten Nächte waren unfreiwilligerweise sehr kurz und ich bin gerade einfach verdammt müde.

Das finale Drehbuch ist mitlerweile fast druckreif und mein „Büro“ ähnelt einem Trödelmarkt an Requisiten. Die Organisation von Mensch und Gerät ist beinahe abgearbeitet und die Drehtermine nähern sich mit den kommenden 4-6 Wochen. Nach aktueller Planung wird der FIlm tatsächlich komplett chronologisch abgedreht, beginnend mit dem Shoot auf Super 16. Insgesamt dürfte es zwar gut getimed sein, aber es wird sportlich!


Dreh 1) & 2)

(12.01.19) Es ist knapp zwei Tage her, die Uhr schlug 02:30 Uhr in der Nacht und damit war Drehblock 1 geschafft – Hallelujah!

Nicht, dass man mich falsch versteht, ich habe jeden einzelnen Moment der 2 Drehtage und dem ganzen Drumherum im Zusammensein mit meinem Team und den beiden Schauspielern Lara und Jan genossen! Jeder war zu jeder Zeit da, hat einen geilen Job abgeliefert, aber (ich würde dieses negativ behaftete aber gerne einfach wieder streichen), es war ziemliche Knochenarbeit. Yes!

Bevor meine Ausschweife hinsichtlich meines Schlafverhaltens nun von vorne losgehen… und ja, ich kann wieder schlafen (!), aaaalso:

Zum ersten Drehtermin im Aachener Club „Hotel Europa“ sind sage und schreibe 25-30 Statisten erschienen, FIlmschaffende der FH und diverse Bekannte, die ich an dieser Stelle gerne alle nochmal umarmen möchte. Der Drehstart verzögerte sich leider aufgrund einer logistischen Fehleinschätzung, sodass wir nach Setdekoration und Equipmentaufbau um ca. 13:00 Uhr im vollbepackten, fiktiven Club „Diesel“ starten konnte. Ein erster Treffpunkt der beiden Charaktere Jasmin und Alex und der Startschuss für eine Menge,hoffentlich nicht vorhersehbarer Aktivitäten.

Seitens der Technik haben wir nach reiflicher Planung auf LED DMX Strahler vertraut, kleinere Highlights brachten die guten alten Dedospots. Für die zu drehenden Szenen wurden zwei Rollen Film eingeplant, die wir zu 90% gefüllt haben. Ein kleiner Herzinfarkt hierbei war leider der Umstand, dass der nervöse magazine-loader den Mitnehmer der Meteranzeige wohl etwas zu sensibel platziert hat – resultierend in einer nicht lesbaren Restmaterialanzeige. Was für ein Arsch! ( wenn ich’s nicht selbst gewesen wäre! Neben diesem kleinen Schönheitsfehler denke ich und vertraue diversen freiwillig aufgezwungenen Meinungen, dass wir da schon ein verdammt nettes Setup aufgebaut haben. Bevor der Eigenlob zu groß ausfällt, erinnere ich an dieser Stelle, dass ich noch NICHT über das gescannte Filmmaterial verfüge. Bleiben wir also lieber erstmal kleinlaut.

Abgedreht, abgebaut, tausend Dank an die Betreiber der Location, dem Team, den Statisten und erstmal eine etwas verspätete Mahlzeit in inniger Gruppe am Abend! Das klingt doch so entspannend, dass selbst ich wiedermal ein Auge zudrücken konnte.

Der zweite Drehtag begann mit dem Aufbau des nächsten Sets; Alex‘ Wohnung. Bevor der Dreh bei Dämmerung starten konnte, wurde von Lara und Jan noch fleißig an Choreo gearbeitet, für die ich mich in erster Linie sehr bei Letzterem bedanken möchte. Beim Schreiben des Scripts hatte ich zwar Bilder im Kopf und bereits selbst versucht einen Ablauf zu erarbeiten, aber das kann jemand mit Kampfkunst-erfahrung dann halt doch besser in Film-taugliche Bewegungen übertragen.

Rollen 3-5 ins Magazin, Kamera an, Crashglas in die Hand und Action! Soviel Spaß allein das zusehen durch den Sucher machte und so betäubend mein Adrenalinspiegel auf die schmerzende Kontaktstelle des Schulterstativs wirkte, spätestens gegen 0 Uhr wurde es dann doch etwas anstrengend. Knapp 2 Stunden später waren die letzten Einstellungen in 50fps mit einem Verschlusswinkel von 90° im Kasten und der ehemals dekorative Billigsekt in unser aller Gläser. Für’s erste geschafft!

 

Jep, gut zwei Tage ist es jetzt her, ich durchforste diverse hunderte Fotos und Videos und bin sehr stolz auf das Getane und auf alle, die mitgewirkt haben. Der letzte Akt folgt…


 Ist das Kunst?

(18.01.19) Immer wieder herrlich, was die Analogkamera am Ende einer Aufnahme so verzapft!

Der Scan ist eingetroffen und stimmt mich nach temporärem Herzrasen mehr als wohl. Wie es scheint, haben wir einen ganz guten Job gemacht, denn die Belichtung sitzt trotz Stroboskopeffekten und knalligen Farben und der Focus ist zu 95% dort, wo er sein sollte. Letzterer war beim Dreh ein Wagnis, denn die „Docu-style“ Kamera verlangte nunmal, durchgehend per Augenmaß nachzuregulieren.

Der aktuelle Schnitt der knapp 5 Rollen Film bringt mich auf eine Laufzeit von etwa 7min. Zusammen mit dem kommenden digitalen Dreh dürften wir da etwa bei 15min Gesamtlaufzeit landen.


It’s a Wrap!

Nein, hier geht es nicht um die Identifizierung mexikanischer Speisen – unsere Produktionsphase ist mit Drehtag Nr. 3 nun offiziell abgeschlossen!

Ich weiss garnicht so recht was ich Euch abenteuerliches berichten soll und ist es nicht auch langweilig, wenn mal so garnichts schief läuft? Da hilft nur trockene Berichterstattung.

Um 6:30 Uhr begann unser Produktionstag (also 4 1/2 Stunden nach meinem persönlichen Erwachen) mit einer Fahrt zum Leverkusener Krankenhaus, das mit seinen leerstehenden Stationen für TV- und Filmproduktionen unser Ziel dargestellt hat. Am Tag zuvor hatten wir bereits in mehrstündiger Arbeit die leeren Räumlichkeiten zu einem visuell funktionellen Krankenhaus hergerichtet. Jedenfalls hoffe ich, dass der Anschein gewahrt wird.

Am Drehtag wurde das bekannte und bewährte Team durch die Darsteller(-in) Fynn Zinapold, Juliana Wagner und Maxim Podobed ergänzt. Über knapp 12 Stunden haben wir in dieser Konstellation ohne Weh-Wehchen und mit einer Menge Spaß rund 80 Takes bewältigt, wie mir später die Festplatte der digitalen Kamera melden wollte. Seitens der Anzahl mag das erstmal viel Erscheinen, tatsächlich haben wir uns meist nur auf 2 Wiederholungen beschränkt.

Nach vielen „Das ist der letzte Take“ wurde es um 21:00 Uhr dann doch Zeit für den verdienten Feierabend-Sekt. Ankunft zurück in Aachen um 22:30 Uhr, Ankunft im persönlichen Bett um 3:30 Uhr. Ein 25 Stunden Tag, der garnicht besser hätte laufen können (!!!).


The end

(22.07.19) Es ist soweit. Die Postproduktion ist lange beendet und ich kann garnicht mehr erahnen, wie oft ich den Streifen in den letzten Wochen und Monaten gesehen habe. Fakt ist, dass seit dem Dreh kaum ein Tag vergangen ist, an dem ich nicht stundenlang am Endprodukt gearbeitet hätte.

Mit der letzten Woche sind sowohl Bachelorprüfung, „Showtime“, wie auch Diploma-Ausstellung vorbei und ich danke allen herzlich, die sich Zeit genommen haben, mir ihr Feedback mitzuteilen. Wenn ich dem ansatzweise glauben darf, habe ich das Gefühl viele Menschen für knapp 16min gut unterhalten zu haben. Noch größer der Dank an alle, die die Produktion überhaupt erst ermöglicht haben!

Nun denn…genug der großen Schwafelei. Zeit um Taten sprechen zu lassen. Holt das Popcorn raus, macht eine Flasche („Fürst von Octavian“) Sekt auf und genießt die folgenden 15:48 Minuten. Ladies and gentlemen, here we go…

NIE WIEDER ALPTRÄUME