Thailand, die Zweite

18. Mai 2019|

Unser erster Thailand Aufenthalt 2013 ist uns nicht weniger als >spektakulär< in Erinnerung geblieben und bereits damals war klar, dass wir noch einmal zurückkehren würden. Ganze 6 Jahre musste es dauern bis Flüge und Hotels gebucht waren und das ferne Ziel wiedereinmal in greifbare Nähe gelangen konnte. Die Vorfreude auf 17 Tage im Süden war genauso groß wie die Neugier, ob unsere alten Erinnerungen und Vorstellungen noch einmal bestätigt würden.

Los geht’s!

Startpunkt unserer Reise ist wiedereinmal Phuket, danach sollte es für 6 Tage nach Koh Phi Phi und von dort aus nach Railay Beach, bzw. Krabi Festland weitergehen, bevor die Reise mit einer weiteren Übernachtung auf Phuket seinen Abschluss finden würde.

Bei der Frage nach einem Hotel auf Phuket fiel die Wahl recht schnell auf das legendäre „On On Hotel“, das sich nach Renovierung nun „The Memory at On On Hotel“ nennt. Einige mögen sich erinnern, dass wir dieses Hotel beim letzten Besuch bereits einmal kurz aufgesucht haben, stellt es doch eine der Filmlocations von „The Beach“ dar, der dort Ende 1998/ Anfang 1999 gedreht  wurde.

Das „On On“ war das erste Hotel auf Phuket und liegt in Oldtown, das mit seinem Mix aus chinesischem und portugiesischem Einfluss einfach nur wunderschön altmodisch wirkt. Glücklicherweise kommen wir am Sonntagabend an, der für uns seinen „Phuket Sundaynight Market“ eine Straße weiter bereit hält. Für wenige Baht bekommt man hier köstliche Speisen aller Art, Livemusik und Souvenirs so weit das Auge reicht. Reizüberflutung pur, dazu die bekannte Hitze und Luftfeuchtigkeit, die ich beinahe schon vergessen hatte – Thailand heisst uns Willkommen!

 

An Schlaf ist an diesem Abend vorerst nicht zu denken, auch wenn die 13 Stunden Flug in unseren Knochen stecken. Bis die Müdigkeit tatsächlich einsetzt, spaziere ich durch die Innenhöfe und Flure des „On On“ und versuche im Ambiente von unbekannten Tierlauten herauszufinden, wo Danny Boyle für „The Beach“ wohl die Kameras platzieren ließ. Wie sich herausstellt, grenzt unser gemütliches Zimmer direkt am Flur, der im Film zu sehen ist. Dazu aber später mehr, wir kommen ja schließlich noch einmal wieder, bevor der Flieger zurück nach Deutschland geht.

 

Phi Phi

Puh, was haben wir uns bei der Buchung Phi Phis eigentlich vorgestellt? Schon damals war klar, dass diese (einst) wunderschöne(n) Insel(n) durch scheinbar unkontrollierte Baumaßnahmen und übermäßigem Tourismus zugrunde gehen wird und bereits 2013 war Tonsai derart zugebaut, dass Urlaubern älterer Generationen wahrscheinlich nur das Weinen kommt. Die „Maya Bay“ ist aktuell gesperrt, um diesen Wahn an (Umwelt)zerstörung vorerst ein Ende zu bereiten. Ein guter, erster Schritt, aber viel zu spät. Was hilft das jammern? Unsere Neugier war einfach zu groß und die Erinnerungen an den einsamen Strandabschnitt am Leam Tong zu faszinierend.

Nach der eineinhalb stündigen Fährfahrt ist Land zu sehen. Von Weitem lässt sich erkennen, dass in der Einfahrt Phi Phi Lehs zur Maya Bay irgendeine Barriere errichtet wurde. Irgendwie schon traurig, „so nach und doch so fern“. Als wir in die Tonsai Bay abbiegen, kommen mir sofort die überwältigenden Gefühle von damals, denn trotz nahender Betonbauten ist diese Bucht einfach wunder-wunderschön!

 

Unsere Erwartungen an Tonsai Town bestätigen sich nach dem Betreten des Piers, aber so richtig einordnen oder bewerten können wir die Lage noch nicht. Fest steht, einen amerikanischen Ramsch-Fastfood Laden braucht mitten in der Andamanensee NIEMAND (!) Und wenn doch irgendein Touri den Drang verspürt hier seine völlig überteuerten Fritten zu essen, bitte umgehend ab ins Boot und zurück nach Hause. Nach dem Schock dieser ersten, unübersehbar platzierten Entdeckung kehrt langsam Ruhe bei uns ein. Irgendwie wirkt Tonsai aufgeräumter und sauberer, allerdings auch unübersichtlicher.Ob das insgesamt schöner oder charmanter ist, das stelle ich in Frage. Eine tatsächliche Verbesserung sehen wir, als wir die Loh Dalum Bay betreten. Hier stand früher eine Liege neben der anderen und das ganze lud wirklich mal so garnicht zum relaxen oder baden ein. Jetzt macht die Bucht einen doch viel freundlicheren Eindruck.

 

Allem Anschein nach ist Tonsai Town noch wesentlich „besser“ besucht als damals. Zeitweise hat man den Eindruck, dass die Menschenmassen abgesetzt werden und garnicht so recht wissen, was sie hier eigentlich suchen.

Nach einem Wiedersehen mit unserem damaligen Tauchlehrer Georg und einem hervorragenden Curry geht die Fahrt weiter zum „Phi Phi Erawan Palms“ am Leam Tong, das unverändert (schön) erscheint und weitere bekannte Gesichter offenbart.

Wir haben uns zum Ziel gesetzt die wenigen Tage zu nutzen und die hiesige Umgebung besser zu erkunden. So geht es an der Küste entlang über die Lo Ba Kao Bay zur menschenleeren und (noch) unbebauten Loh Lana Bay oder mit dem Kayak zur wunderschönen kleinen Nuy Bay, dessen recht tiefes Ufer einmal wirklich zum schwimmen und schnorcheln einläd.

Die menschenleere Nuy Bay

Dieses Mal haben wir wohl gerade den Startschuss der Monsunzeit erwischt, denn immer wieder regnet es unerwartet heftig, löst sich dann aber relativ schnell wieder in knallenden Sonnenschein auf. Die Einheimischen freut’s, denn wie wir erfahren, hatte es auf Phi Phi seit Monaten nicht mehr geregnet und die Trinkwasserbestände waren derart niedrig, dass Wasser zeitweise abgestellt und frisches Wasser vom Festland herübergeschafft werden musste.

Da war noch etwas zu erledigen, nämlich der altbekannte Aufstieg zum „Viewpoint“, der sich in den letzten 6 Jahren ganz schön verändert hat. Ganz klar ist zu erkennen, dass auf Phi Phi das Grün an allen Ecken und Enden schwindet. Aber wie bereits gesagt, wer Fotos der Insel aus den 90er Jahren kennt, der wird über meine Kritik an dieser Stelle nur herzhaft lachen oder weinen können. Eine Sache die sich zumindest bei mir nicht verändert hat, sind übertriebene Schweissausbrüche und der hektoliterweise Wasserkonsum bei allen mehr oder weniger sportlichen Aktivitäten.

 

Am letzten Abend werden wir vom Hotelmanager auf ein unfassbar leckeres 4 Gänge Menü mit Nam Prik, Tom Yum, Massaman Curry und Reis mit scharfem Thai Basilikum eingeladen. Mit „unfassbar lecker“, meine ich unfassbar lecker! Ja, richtig, in Thailand bekommt man potenziell an jeder Straßenecke geiles Essen. Wie wir allerdings schmerzlich festgestellt haben, ist es für uns Touristen allerdings schier ein Ding der Unmöglichkeit, die Speisen im Kaliber „Thai spice“ zu erwerben. Man hat den Eindruck, immer nur mit (ich wiederhole mich: geilen) Lightversionen der Gerichte abgespeist zu werden. Aber jetzt sind wir hier und bekommen erstmals die volle Dröhnung der Aromen jenseits der normalen Speisekarte zu schmecken und zu spüren – wirklich einmalig gut und ganz sicher mit die besten Speisen, die ich je gegessen habe.

Ready for Railay!

Wieso überhaupt Railay Beach? Im Süden Thailands gibt es soviele wunderschöne Inseln und Ecken und warum muss es genau diese sogenannte Halbinsel an Krabi sein? Hollywood…das übliche halt. Auf Railay mit seinem bekannten Phranang Beach wurden sicherlich schon dutzende Filme gedreht, aus dem Stegreif fallen mir gerade Meisterwerke wie „Mortal Kombat“ (1995) und „Men of War“ (1994) ein. Fakt ist, Railay ist mit seinen 3 „Buchten“ äußerst fotogen und die Lage lässt einen binnen weniger Minuten aufs Festland gelangen, sofern man mit den Longtails gerade einmal Glück hat. „Boat Boat…You pay 800 Baht or wait for more people.“

 

Die Ankunft auf Railay ist ziemlich schmerzhaft und buchstäblich blutig, hat man vor wenigen Tagen erst den Floating Pier auf der Ostseite abgebaut und lässt uns nun barfuß vom Longtail durch die Ebbe zum Strand laufen; wohlgemerkt durch scharfes Gestein und abgestorbene Korallen. Hatte ich nicht damals schon erwähnt, dass Wunden in diesen Regionen eher keine große Freude sind? Irgendwas war da doch…

Am errsten Abend erkunden wir den kleinen „Hauptort“, wie ich die Walking Street einmal nennen würde. Das Zielpublikum von Railay wirkt im Vergleich ein bisschen älter als auf Phi Phi, deutlich weniger in „Ballermann“-Manier und es wirkt entspannter. Möglicherweise liegt Letzteres aber auch nur an den „Special Cigarettes“ oder „Cakes“, die die diversen Jamaica-angehauchten Kneipen hier anbieten. Wir bleiben lieber bei Chang Bier und Thai Ice Tea und genießen die Atmosphäre.

 

Ein „Do not climb Viewpoint“-Schild und schon befinden wir uns auf dem Weg eben genau dorthin. Der bekannteste Viewpoint liegt auf halbem Wege zum Phranang Beach. Er ist nicht wirklich schwierig zu klettern, aber er ist definitiv lebensgefährlich und ich bin später wirklich froh, dass wir beide es ohne Probleme wieder hinuntergeschafft haben. Die Aussicht oben ist einfach der Hammer! Auf dem Rückweg gibt es dann noch eine kleine Affenfamilie zu beobachten.

 

Der Weg von Railay East zum Phranang Beach ähnelt mit seinen Höhlen und zig Meter langen Lianen einem Abschnitt im Phantasialand. Angekommen ist der Strand wirklich eine Augenweide und vergleichsweise groß, sodass sich die gesammelten Tagestouristen eigentlich sehr gut zu verteilen wissen. Neben der traumhaften Kulisse gibt es hier viele Kletterer, die sogenannte „Princess Cave“ und günstige Speisen und Getränke per Longtail! Auf Phranang kann man bei passenden Bedingungen fluoreszierendes Plankton beobachten, ein Schauspiel, das wir damals bereits in der Pileh Bay auf Phi Phi Leh erleben durften. An einem der Abende schleichen wir uns auf den komplett menschenleeren Phranang Strand und lassen uns von den leuchtenden Tierchen erneut begeistern. Keine Chance für Fotos, das muss man einfach mit eigenen Augen gesehen haben!

 

Tiger Cave Temple

Ich hätte garnicht erwartet, dass man mit Longtail und Minibus derart schnell in Krabi Town sein würde! Hier am Rande liegt der Tiger Cave Temple und beherbergt einen Aussichtspunkt auf über 300m, der nur durch einen Treppenaufstieg von 1260 Stufen zu erreichen ist. Klingt ganz machbar, stellt sich vor Ort dann aber als ein überaus anstrengendes Unterfangen dar. Gefühlt wird nach allen 20 Stufen erstmal eine Pause eingelegt und der Schweiss läuft in Strömen hinunter bis auf die zitternden Beine. Ob uns diese Qual zur Erleuchtung bringen oder einfach nur einen schönen Ausblick bescheren sollte, man weiss es nicht.

 

Ban Bor Thor Kayaking

Ban Bor Thor im nahen Inland bietet mit seinen Tropfsteinhöhlen und Mangrovenwäldern ideale Bedingungen für’s Kayakfahrten. Allein die Anfahrt durch Krabis unendliche Felsformationen ist diese Reise wert!

 

Zu empfehlen sei beim Stichwort „Mangrovenwald“ auf jeden Fall genügend Moskitospray. Allgemein muss ich sagen, dass wir bei diesem Thailandtrip mit extrem vielen Moskitos zu kämpfen hatten. Unser „Nobite“ Vorrat war zwar groß und das Zeug aggressiv genug, aber vergisst man dann dochmal eine kleine Stelle einzusprühen, weiss man genau was einem blüht. Und dann gibt es da den üblichen Verlauf unserer durch Malaria- und Dengue-Angst getriebenen Verweichlichung:

Tag1: „Oh nein, scheisse, ich wurde gestochen! “ *Panikausbruch*

Tag 8: „…3, 4, 5 neue Stiche. Nein, hier ist noch einer…und hier auch.“ *Genervtes Gähnen*

Ao Nang Elefant Sanctuary

Touristische Aktivitäten mit Tieren, allen voran Elefanten, sollte man in Thailand mit Vorsicht entgegentreten. Unseren Nachforschungen nach ist das Ao Nang Elefant Sanctuary eines der ersten und wenigen „Pflegeheime“ für ehemalige Arbeitselefanten, das seine Aufgabe ernst nimmt und die teils schwer geschundenen Tiere in Ruhe altern lässt. Der Guide erklärt uns die Arbeit des Sanctuaries, die Probleme der Tiere und die Erwartung an zukünftige Projekte, während die drei Tiere hinter uns bereits auf ihre Mahlzeit warten. Das persönliche Füttern sei wichtig, damit wir uns den Tieren überhaupt annähern könnten und sie einen positiven Eindruck von uns bekämen. Mit einem derart schweren Tier vor mir will ich definitiv kein Risiko eingehen und meine besten Manieren zu Tage bringen!

 

Es geht weiter zur Schlamm-Einbalsamierung, gefolgt von einem Bad und Schrubberei im Tümpel. Wir haben den Eindruck, dass hier wirklich mit Sorgfalt und Ruhe gearbeitet wird und vorallem, dass es den Tieren gut tut. Wollen wir einfach hoffen, dass der Eindruck dieses schönen Tages der Realität entspricht und die Arbeit der Pfleger zukünftig weiter ausgebaut werden kann.

Rund um Railay Beach

Rund um Railay lassen sich noch diverse andere Aktivitäten planen. So haben wir eine der vielen „X-Islands“ Touren mitgemacht, die angefahrenen Inseln waren allerdings völlig überlaufen und die See zu unserer Zeit mit jeder Menge Quallen gefüllt. Einer der Guides erzählte nach einer Schnorcheltour, dass er gerade beinahe in eine Würfelqualle geschwommen sei – Hallelujah!

Sehr gut gefallen hat uns nahe des Ao Nang Beachs die Pai Plong Bucht, die über einen kleinen „Monkeytrail“ zu erreichen ist und sich bestens zum schwimmen eignet. Es handelt sich bei der Bucht um Parkgelände, allerdings befindet sich hierauf ebenfalls ein Resort, weshalb man für seine Aufenthaltsdauer (kostenlos) „einchecken“ muss.

 

Abreise

Wir betreten die Fähre, die uns diesmal zurück nach Phi Phi und von dort aus nach Phuket bringt, wo wir für unsere letzte Nacht erneut im „On On“ verbringen. Diesmal habe ich mich nicht lumpen lassen und die „The Beach“ Suite gebucht, in gespannter Erwartung, was damit denn gemeint sei. Wie sich herausstellt, ist die Suite, bzw. das Zimmer mit der Nummer 204 am Anfang des Flures und soll – trotz moderner Ausstattung und Umbau – vom Look her an die alten Tage des Hotels erinnern, als hier noch Gastarbeiter aus China genächtigt haben.

 

Nach den Renovierungsarbeiten ist es eigentlich unmöglich auszumachen, wo hier wirklich welche Teile des Films gedreht wurden oder ob’s nicht doch bloß ein Studio war? Meinen Nachforschungen nach wurde das Hotel damals schwerst umdekoriert und für mehrere Tage für „The Beach“ angemietet. Im Film ist Richard (Leonardo DiCaprio) am heutigen Zimmer 206 zu sehen, daneben die Franzosen auf 204 und Daffy auf 208. Als wir unser „The Beach“ ZImmer betreten – bei dem uns versichert wurde, dass hier damals gedreht wurde – können wir nur vermuten, dass es sich aufgrund der Lage des Balkons um die Szene handelt, als Richard seine Ansprache zum Start der Reise an Etienne und Francoise einübt. Aber bevor ich hier zu sehr abschweife, das Hotel ist auch ohne filmische Hintergründe absolut empfehlenswert! Ein paar letzte Eindrücke von Phukets Altstadt, bevor es am nächsten Tag zum Flughafen geht…

Zurück zuhause…

Unsere Reise ist nun seit 2 Tagen vorüber und alle Eindrücke müssen erstmal sorgsam verarbeitet werden. Samstagmorgens um 6 Uhr hier zu schreiben, deutet jedenfalls noch auf einen leichten Jetlag hin. Zu diesem Zeitpunkt kann ich nur hoffen, dass es nicht bis 2025 dauern muss, bis der nächste Flieger geht. We’ll be back…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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